Glaubst du auch, dass Selbstliebe egoistisch ist?

Lange Zeit habe ich Selbstliebe mit Egoismus gleichgesetzt. Tatsächlich hört man dieses Wort erst seit relativ kurzer Zeit im Sprachgebrauch. Es ist immer noch kein gängiger Ausdruck, denn immer noch haben wir Hemmungen, das Wort Selbstliebe überhaupt auszusprechen, aus Angst falsch verurteilt zu werden.

Das rührt daher, dass oft missverstanden wird, was sich hinter dem Wort verbirgt.

Wir befürchten, man könnte uns als schlechte Menschen und Egoisten abstempeln!

Und wer möchte das schon? Niemand natürlich!

Wir möchten alle geliebt und anerkannt werden.

Einen bedeutenden Teil unserer Zeit und Energie verwenden wir darauf, uns um Liebe, Anerkennung und Zuwendung anderer zu bemühen. Wir sind bereit unsere Bedürfnisse in den Hintergrund zu stellen und kümmern uns teilweise sogar aufopfernd um andere.

Dadurch schaffen wir ein Abhängigkeitsverhältnis, gegenseitiger Erwartungen.

Wir erwarten und bekommen Liebe und Zuwendung für das was wir tun und andere bekommen unsere Hilfe und Unterstützung dafür, dass sie uns lieben und uns Zuwendung oder Aufmerksamkeit schenken.

Solche Abhängigkeitsverhältnisse werden über Jahre oder sogar ein Leben lang gepflegt.

Und wenn unsere Erwartungen unerfüllt bleiben, dann sind wir unglücklich. Wir erleben das als schmerzende Abneigung und Lieblosigkeit des anderen, wir zweifeln an uns selbst.

• Sind wir nicht gut genug, nicht liebenswert?

• Was haben wir falsch gemacht oder was hätten wir besser machen sollen?

 

Hier eine persönliche Geschichte meiner Begegnung mit dem Wort Selbstliebe.

Vielleicht erkennst du dich selbst darin wieder?

Mein Verhältnis zu mir selbst und zu meiner Umwelt hat mich in meiner Jugend etliche schlaflose Nächte und fast meinen Ausbildungsplatz gekostet.

Ich war in meinem Denken und Handeln immer selbstlos. Es war mir sehr wichtig, ein guter Mensch zu sein. Den Bedürfnissen und Erwartungen meiner Mitmenschen schenkte ich meine volle Aufmerksamkeit und sah es als meine vorrangige Aufgabe, zu deren Wohl so gut wie möglich beizutragen.

Ich investierte sehr viel Zeit, Energie und Liebe um anderen zu helfen.

Und ich tat es von Herzen gerne!

Allerdings hatte ich nicht verstanden, dass es nicht richtig war, die Sorgen und Probleme anderer zu meinen eigenen zu machen. Ich hatte mich so quasi der Aufgabe gewidmet, die Welt zu retten.

Dabei war es mir lange gar nicht bewusst, wie sehr ich darunter litt. Die dauernde Belastung hinterließ tiefe Spuren. Ich war ausgebrannt und abgemagert, denn ich rannte wie ein Notarzt von einem Mitmenschen zum nächsten. Und wenn ich dann mal für mich alleine war, versuchte ich den psychischen Druck zu verarbeiten.

Mein Verhalten bescherte mir vor allem Konflikte mit mir SELBST. Ich konnte nie NEIN SAGEN, obwohl ich es manchmal gerne getan hätte. Schlimmer war noch, dass ich mich innerlich selbst auffraß, wenn ich ein fremdes Problem nicht lösen konnte und bestenfalls die Person enttäuscht oder sogar verärgert war.

Aber es half alles nichts, meine Abhängigkeit von der Anerkennung und Liebe anderer überwog immer. Ohne die Bestätigung ein guter Mensch zu sein, konnte ich scheinbar nicht leben. Ich spülte mich selbst immer tiefer in diesen Sprudel.

Meine damalige Chefin, damals Mitte 50, war rückblickend eine sehr weise Frau. Sie hatte das Szenario offensichtlich eine Zeit lang beobachtet. Eines Tages kam sie auf mich zu und ich merkte, dass sie ernsthaft besorgt um mich war.

‌Mit vorgehaltenem Spiegel sagte sie zu mir: „ Teuta“, sieh dich doch bitte mal an!

Siehst du nicht, was mit dir passiert? Deine Aufopferung für Andere zeichnet dich von Kopf bis Fuß. Das kann ich mir nicht länger anschauen. Du musst aufhören damit, dich immer um die ganze Welt, nur nicht um dich selbst zu sorgen.

Es wird Zeit, dass du auf dich achtest denn du bist die wichtigste Person in deinem Leben.

DU stehst an erster Stelle vor allen Anderen!

Denn:

Wie willst du für andere da sein, wenn es dir selbst nicht gut geht?

• Wie willst du auf andere achten, wenn du nicht auf dich achtest?

• Wie willst du deine Liebe teilen, wenn du selbst keine besitzt?

• Wie willst du jemand anderen lieben, wenn du dich selbst nicht liebst?

 

Das funktioniert so nicht. Erst muss es DIR gut gehen, damit du Anderen Gutes tun kannst.

Ich war geschockt von ihren Worten! Der erste Gedanke, nachdem ich mich wieder gefasst hatte, war: „Oh mein Gott! Sie ist m i t  A b s t a n d die größte Egoistin, der ich je begegnet bin!“

Mit solchen Menschen wollte ich nichts zu tun haben. Ich war entsetzt und wollte dort auch nicht mehr arbeiten. Es war mir unbegreiflich, wie jemand nur so denken konnte?

Natürlich fühlte ich mich zudem angegriffen, denn sie hatte in zwei drei Atemzügen meine ganze Persönlichkeit in Frage gestellt und kritisiert. Dabei war ich der festen Überzeugung, ein guter Mensch zu sein. Und nun stellte sich jemand vor mich und raubte mir mal einfach meine Illusion und verwackelte meine gesamte Weltanschauung.

Diese Worte beschäftigten mich heftig und ich spielte tatsächlich mit dem Gedanken dort zu kündigen. Allerdings kam ich, als ich so über meine Chefin nachdachte, zu einer interessanten Erkenntnis.

Ihre Worte klangen in meinen Ohren zwar so egoistisch, aber ihr Handeln war überhaupt nicht so. Ich kannte sie als sehr weitsichtige und gutherzige Frau. Das hatte sie oft mit ihren Taten bewiesen. Also blieb ich.

Damals war ich viel zu jung um zu verstehen und anzunehmen, dass Selbstliebe nichts mit Egoismus zu tun hat. Es dauerte lange, bis ich nach und nach begriff, was sie mir damals damit hatte sagen wollen. Und sie hatte recht gehabt.

Selbstliebe ist der Grundstein für Nächstenliebe

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Doch was genau bedeutet Selbstliebe?

Selbstliebe ist ein respektvoller und liebevoller Umgang mit dir selbst. Dich selbst zu lieben bedeutet dich anzunehmen, zu dir zu stehen wie du bist. Es bedeutet auch, auf deine Bedürfnisse zu achten.

Wenn wir uns selbst lieben, dann behandeln wir uns selbst ebenso gut, wie wir Menschen behandeln, die wir lieben. So wie wir Menschen die wir lieben, nicht schaden wollen, sondern um deren Wohlergehen bemüht sind, so wollen wir uns selbst nicht schaden und sind um unser eigenes Wohlergehen bemüht.

Dich selbst zu lieben ist der Ausgangspunkt für deine Entwicklung. Selbstliebe ist das Fundament für eine starke Persönlichkeit. Darauf bauen sich alle Komponenten eines starken Selbst auf. Je stabiler dein Fundament ist, umso stabiler stehen deine Komponenten.

 

Von einer starken Persönlichkeit profitiert man nicht nur selbst, sondern auch das Umfeld.

Wenn wir uns selbst lieben, haben wir keine Angst, die Anerkennung der anderen zu verlieren, wir können das tun und sagen was wir für richtig halten. Wir sind uns und anderen gegenüber ehrlich und aufrichtig.

Wir haben ein hohes Selbstvertrauen, dadurch fällt es uns leicht auf andere zuzugehen, wir haben keine Angst auf Ablehnung zu stoßen.

• Wir sind nicht mehr so abhängig von der Zuneigung anderer.

• Wir finden zu uns selbst und gleichzeitig zu anderen.

• So leicht wie uns der Umgang mit uns selbst fällt, so leicht fällt uns dann der Umgang mit anderen.

• Wir können Komplimente annehmen und anderen Komplimente machen.

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Wir sind attraktiv für andere, wenn wir uns selbst lieben.

Wir kennen sie alle, diese Menschen die immer positiv sind, diese tolle Ausstrahlung haben, sie stecken uns richtig an mit ihrer Freude am Leben. Gerne verbringen wir Zeit mit ihnen, denn wir fühlen uns wohl und sicher in ihrer Gesellschaft.

Wir erleben sie als wertvolle Persönlichkeiten und schätzen ihre Ehrlichkeit, ihre Güte und ihren Humor. Diesen Menschen sieht man gleichzeitig ihre Freiheit und ihre Bodenständigkeit an.

Sie wirken innerlich und äußerlich ausgeglichen und im Einklang mit sich selbst.‌

Wenn wir uns selbst lieben, sind wir emotional stabiler.

Gerade wenn wir verliebt sind, haben wir unglaublich hohe Erwartungen an unseren Partner. Wir erwarten Zuwendung und Anerkennung. Dafür sind wir oft bereit mehr als entgegenzukommen in der Beziehung.

Entgegen eigener Prinzipien arrangieren wir uns in Situationen, wir passen uns bestmöglich an und streben nach Harmonie. Werden unsere Erwartungen nicht erfüllt, sind wir gekränkt und machen uns Sorgen.

Die fehlende Zuwendung oder Aufmerksamkeit weckt in uns Verlustangst. Das führt in den meisten Fällen dazu, dass wir uns selbst weiter degradieren. Wir leben wie festgenagelt in einem emotionalen Abhängigkeitsverhältnis, wo oft nicht einmal eine Trennung hilfreich ist. Wenn es überhaupt jemand schafft sich zu trennen, dann ist es oft nur von kurzer Dauer.

Wie viele kehren sogar nach mehrfacher Trennung wieder zum alten Partner zurück? Sie fühlen sich in ihrem alten Schema zumindest sicher, wenn auch nicht glücklich.

Wir verspüren weniger Wut und Ärger, fühlen uns weniger gekränkt und verletzt, sind weniger frustriert und deprimiert, fühlen uns nicht einsam und haben keine Angst, wenn wir auf einem festen Fundament stehen. Wenn wir in der Lage sind uns selbst zu lieben, dann verlieren für uns die Begriffe Ablehnung und Zurückweisung ihre Macht.

Wir sind emotional in Balance. Wir fordern nicht, sondern lassen auf uns zukommen. Selbst im Gleichgewicht zu sein, bedeutet auch, im Gleichgewicht mit dem Partner zu sein. Auf dieser Ebene spielt sich eine ganz andere Art von Geben und Nehmen ab als auf der Ebenen einer Abhängigkeit.

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Wir können lieben ohne Gegenleistung zu erwarten

Wir können anderen Liebe schenken, für sie da sein, sie unterstützen ohne eine Gegenleistung dafür zu erwarten. Wir können Komplimente geben. Wir können ihnen verzeihen, wenn sie einen Fehler machen, ihre Macken und Eigenheiten leichter tolerieren. Wenn wir zufrieden mit uns sind, und in uns selbst ruhen, dann sind wir anderen gegenüber großzügiger.

 

Wir sind erfolgreich und gehen unseren eigenen Weg

Unser emotionales Gleichgewicht gibt uns Sicherheit. Wir sind risikofreudiger, entscheidungsfreudiger und                  erfolgreicher – privat und beruflich.

Wir glauben an uns und die Fähigkeit, erreichen zu können was wir anstreben und vor allem was uns wichtig ist.

Unser Selbstvertrauen ist stark genug, damit wir mit Problemen umgehen und diese überwinden können.

Wir lassen uns nicht von anderen und deren Kritik verunsichern, sondern gehen unseren Weg. Wir sind fokussierter,            weil unsere Gefühlswelt nicht in Abhängigkeit zu jemandem oder etwas steht.

 

Fange auch du endlich an, dich selbst zu lieben.

Es ist ein unglaublich tolles Gefühl, Stück für Stück zu sich selbst zu finden.

Du kannst du sein.

Deine Ängste, nicht gemocht oder akzeptiert zu werden, werden ersetzt durch Selbstsicherheit und Ausgeglichenheit. Wenn du dich selbst liebst, dann wirst du Geben ohne eine Gegenleistung zu erwarten.

Damit ist nicht gemeint, dass du wieder in Selbstaufopferung verfällst. Damit ist gemeint, dass du gibst und nimmst ohne ständig Bilanz zu ziehen. Du versuchst nicht, es auf Biegen und Brechen allen recht zu machen.

Du kennst deine eigenen Grenzen und respektierst die Grenzen deiner Mitmenschen.

Deshalb löse dich von diesem Gedanken, Selbstliebe sei etwas Schlechtes.

In Wahrheit ist Selbstliebe die Quelle aller Güte.

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Liebe Grüße

Teuta

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